{ laboratorium für geschichte }

laboratorium für geschichte

Als Salomon August Andrée am 11. Juli 1897 gemeinsam mit Knut Frænkel und dem Fotografen Nils Strindberg in einem Wasserstoffballon von Svalbard aus aufbrachen, um den Nordpol zu erreichen, war ihre Mission im Grunde schon zum Scheitern verurteilt: Der Start geriet gehörig daneben, touchierte der Korb doch unmittelbar nach dem Abheben das erste mal das Wasser. Keine drei Tage später landete der Ballon auf 82°56' nördlicher Breite inmitten des arktischen Eises: ein zwischenzeitliches Ende der Expedition, das Strindberg fotografisch dokumentierte. Während ihres Fußmarsches in Richtung eines der angelegten Vorratslager kamen sie aufgrund des driftenden Eises vom Wege ab und erreichten schließlich Kvitøya, auf der die drei Expeditionsteilnehmer entkräftet starben. Erst 33 Jahre später wurden sowohl ihre Leichen als auch die mehr als 240 Negative Strindbergs zufällig entdeckt. Unter dieser Rubrik werden jedoch Fundstücke präsentiert, deren Auffindung sich weder derart aufwendig noch so langatmig gestaltete und deren Entdeckung mit keinerlei tragischen Elementen aufwarten kann.

Geschichte schreiben leicht gemacht. Aus der Trickkiste der amerikanischen Kulturhistorikerin Lynn Hunt

Fundstücke | | von Alexander Kraus

Historikerinnen und Historiker haben sich zuletzt auf verschiedenen Wegen bewusst gemacht, dass die Art, wie sie schreiben, den wissenschaftlichen Arbeitsprozess maßgeblich mitbestimmt. Ja, die Erkenntnisprozesse selbst sind ganz wesentlich vom Schreiben geprägt. Schreiben wird so zu einer Quelle des Neuen. So argumentiert auch die amerikanische Kulturhistorikerin Lynn Hunt in einem ebenso offenen wie spielerischen, fast tänzerischen Essay über ihr Schreiben. [...]

Eine Weltgeschichte in Bildern, die ihre Bilder kaum braucht

Fundstücke | | von Alexander Kraus

Die Idee ist zweifelsohne gut, Weltgeschichte einmal anhand von Bildern zu erzählen. Denn es waren, wie der Publizist Helge Hesse in seinem Band Bilder erzählen Weltgeschichte erläutert, über Jahrtausende hinweg "gemalte oder gezeichnete Bilder, die Sichtweisen, Standpunkte und Absichten von Künstlern, die unser Bild von Geschichte prägten". Es fragt sich aber, warum für dieses Unternehmen in 74 Kapiteln dann nicht solche Bilder ausgewählt wurden, die aus der jeweiligen Zeit selbst stammen. Denn die überwiegende Mehrzahl der von Helge Hesse bewusst nach subjektiven Kriterien ausgewählten Bilder datiert aus dem 19. Jahrhundert, der Spätphase der Historienmalerei, die einen besonderen Personenkult betrieb und Ereignisse aus der Regional- und Weltgeschichte maßlos zu überhöhen verstand. Geschichte wurde im Dienste der Herrschenden funktionalisiert. Diese Historienbilder in eine chronologische Geschichtserzählung einzupassen, die ab und an jedoch auch zeitgenössische Bildwerke zentral stellt, ist problematisch. [...]

Künstlerische Freiheit in der Wissenschaftsillustration? Fallbeispiel Paläontologie

Fundstücke | | von Alexander Kraus

Wie nah dürfen sich Kunst und Wissenschaft eigentlich kommen? Die Paläontologie zumindest, so hat es die Kunsthistorikerin Jane P. Davidson in ihrem Buch A History of Paleontology Illustration gezeigt, sei ohne Bilder nicht denkbar. Denn die Bilder waren schon da, noch ehe von einer wissenschaftlichen Disziplin überhaupt gesprochen werden könne. Deren Professionalisierung begann, folgt man Davidson, im frühen 19. Jahrhundert; zugleich intensivierte sich die Zusammenarbeit von Paläontologen und Illustratoren. Pikanterweise nutzten letztere im Einklang mit ersteren nicht selten künstlerische Freiheiten. Mitunter ließen sie gar ihrer Fantasie freien Lauf. [...]

Geschichtsmaschinen. Computerprogramme für die Geschichtswissenschaften?

Fundstücke | | von Alexander Kraus

"Schreibmaschinen" ist ein Artikel Christoph Behrens’ überschrieben, der sich mit ersten Computerprogrammen auseinandersetzt, die anstelle von Journalisten Texte verfassen. "Überall, wo große Datenmengen verfügbar seien, die kein Mensch mehr überblicken könne, sei die Technik sinnvoll. Selbst den Ton der Meldungen könne man variieren." Was aber bedeutet das für die Geschichtswissenschaft? [...]

Musée Sentimental 1979: Ein Ausstellungskonzept

Fundstücke | | von Alexander Kraus

Dieses Buch ist eine Wunderkammer en miniature - allerdings nicht, da es Objekte unterschiedlichster Herkunft und Bedeutung in einem spezifischen Arrangement zusammenführt. Wohl aber, da es Texte und Interviews präsentiert, die nicht nur die Geschichte eines einst revolutionären Ausstellungskonzepts rekonstruieren, sondern auch immer wieder Pfade aufzeigen, auf denen es allerhand zu entdecken gibt, die manche Überraschung parat halten. [...]