{ laboratorium für geschichte }

laboratorium für geschichte

Zauberhaft und ungeheuer. Ein Oral-History-Projekt zu den Erzähltraditionen von Märchen

Projekte | | von Alexander Kraus

Zauberhaft und ungeheuer. Märchen der Brüder Grimm Geschichte(n) erzählen im Kollektiv ist gar nicht so einfach. Dass es gelingen kann, hat die Übung Vom Gespräch zur Geschichte. Ein Oral History-Projekt zu den Erzähltraditionen von Märchen gezeigt, die im Sommersemester mit Studierenden des Historischen Seminars der Universität Münster durchgeführt wurde. Das Ergebnis wird ab dem 23. September 2012 im Sauerland-Museum in Arnsberg in der Ausstellung Zauberhaft und ungeheuer. Märchen der Brüder Grimm zu hören sein.

Aber was meint das eigentlich, Geschichte im Kollektiv zu erzählen? Als ich gemeinsam mit Anne Overbeck von der Museumsagentur dingedurchdenken die Übung konzipiert habe, war mir gar nicht bewusst, wie kompliziert das Zuarbeiten für eine konkrete Ausstellung tatsächlich sein kann. Wobei, die Zuarbeit war herrlich unkompliziert, der Arbeitsauftrag selbst, klar und zugleich doch offen formuliert, wurde gar noch ausgeweitet, als offensichtlich wurde, dass der Laborversuch funktionieren würde. Die eigentliche Schwierigkeit lag eher darin die 21 Erzähler und weitaus mehr möglichen Erzählungen zu bündeln. Eine Geschichte, die aus Gesprächsschnipseln aus Interviews mit 26 Personen im Alter zwischen 4 und 87 Jahren entstehen sollte. Nachdem sich alle Studierenden in die intensiven Interviews von bis zu 90 Minuten Länge gestürzt und somit eine ausgezeichnete Quellengrundlage geschaffen hatten, dieselben transkribiert, inhaltlich ausgewertet und nach Sachthemen geordnet waren, musste ein Weg gefunden werden, die Materialmenge zu bändigen und die unzähligen möglichen Themen - von den ungeliebten Stiefmüttern und unzeitgemäßen Rollenbildern über Wahrheit und Wirklichkeit in Märchen bis hin zur ihrer Überlieferung, ihren Medien und konkreten Erzählsituationen - zu ordnen.

Schließlich haben wir uns in Gruppensitzungen in enger Absprache mit Anne Overbeck auf die endgültigen Oberthemen geeinigt, diese untergliedert und aufeinander abgestimmt, so dass ein jedes Team schließlich einen Kurzbeitrag selbst produzieren konnte: etwa 90 Sekunden für eine eigene Geschichte, die Teil einer größeren sein sollte. Denn für den in der Ausstellungskonzeption vorgesehenen eigenen Raum für das "Erzählen" werden nun unter anderem drei thematisch unterschiedlich ausgerichtete Audiostationen jeweils drei bis vier aufeinander Bezug nehmende Audiofiles hintereinander abspielen. Jedes dieser Files ist dabei maximal zwei Minuten lang und präsentiert - anders als im Museum üblich - eine Vielzahl unterschiedlicher Stimmen und Erzählungen. Was dabei herausgekommen ist, wird auch auf diesen Seiten nach Beginn der Ausstellung in loser Folge zu hören sein.